Jeden Tag gebe ich hier in diesem Blog einen kurzen Abriss über Ereignisse aus der Geschichte des Radios. Weil sich nicht alle Geschehnisse einem bestimmten Datum zuordnen lassen, liste ich am Anfang eines Monats alles auf, was für diesen Monat relevant ist. Ereignisse, die an ein bestimmtes Datum gebunden sind, sind unter diesem Tag zu finden.
Hier die Einträge für den Monat November:
November 1923
In Kalkutta wird der von Amateuren geleitete „Calcutta Radio Club“ gegründet. Den Anfang des Hörfunks in Indien hatte im Juni 1923 der „Radio Club of Bombay“ mit der ersten Radiosendung des Landes gemacht. Am 31. Juli 1924 geht in Madras der „Madras Presidency Radio Club“ auf Sendung, später mit einem rund zweieinhalbstündigen Abendprogramm. Als der Club in Geldnot gerät, übernimmt ihn 1927 die Stadtverwaltung von Madras und betreibt den Sender weiter, bis 1938 All India Radio in Madras startet.
November 1942
Wie alle Kurzwellensender der USA wird im November 1942 auch der Sender WRUL in Boston von der US-Regierung gepachtet und für Propagandasendungen im Krieg eingesetzt. Seit 1939 hatte WRUL Radiovorträge in acht Sprachen nach Europa und Südamerika ausgestrahlt. Erst 1947 darf die Station wieder teilweise eigene Programme senden, ab 1954 wieder vollständig.
November 1945
Zwischen dem 5. und 8. November schreibt Thomas Mann seine letzte Rundfunkansprache „Deutsche Hörer!“. Die BBC strahlt sie erst am 30. Dezember 1945 aus. Damit endet die Reihe, mit der sich Mann seit Oktober 1940 aus dem amerikanischen Exil an die Deutschen gewandt hatte: insgesamt 58 Ansprachen. Hinzu kam Mitte Oktober 1942 eine Ansprache an die „Amerikaner deutscher Herkunft“ als Teil eines Programms des United States Office of War Information (OWI).
Im Herbst 1945 begann das Komitee für unamerikanische Umtriebe unter seinem Vorsitzenden John S. Wood, gegen Radiokommentatoren zu ermitteln, weil sie angeblich Kommunisten waren oder solchen nahestanden. Der Ausschuss fordert von den Sendern die Manuskripte von sieben Kommentatoren an. Die Gewerkschaft der Radiokünstler AFRA protestiert am 16. November 1945 per Telegramm und spricht von „Sternkammer-Verfahren“, die die Verfassung verbiete. NBC-Kommentator H. V. Kaltenborn nennt den Ausschuss ein „smear committee“, einen Verleumdungsausschuss. Wenige Monate später hatten Johannes Steel, Hans Jacob, William Gailmor, Cecil Brown und andere Kommentatoren ihre Sponsoren verloren und waren nicht mehr auf Sendung. Die Arbeit des Komitees nahm für viele Beobachter den Charakter einer „Hexenjagd“ an.
Obwohl er selbst nie Mitglied des HUAC war, erhielt die folgende Zeit, angelehnt an den antikommunistischen Senator Joseph McCarthy, die Bezeichnung McCarthy-Ära. Die Anschuldigungen des ehrgeizigen Senators gegen „pro-kommunistische“ Regierungsmitarbeiter wurden zunächst von J. Edgar Hoover und dem FBI massiv unterstützt. Sie wirkten plausibel vor dem Hintergrund der Erfolge Stalins in Europa und Maos in China und der durch Selbstanzeige ehemaliger kommunistischer Spione allmählich aufgedeckten erfolgreichen russischen Atomspionage.
Obwohl McCarthy schon Ende 1954 vom Senat gerügt und entmachtet wurde, begann erst ab 1960 die Rehabilitation von mit Berufsverbot belegten Filmschaffenden, angefangen mit dem namhaften Drehbuchautor Dalton Trumbo.
Der Ausschuss war für Hunderte Entlassungen, eine Unzahl öffentlicher Diffamierungen und im kulturellen Bereich für eine große Zahl faktischer Berufsverbote verantwortlich. Das noch heute gestörte Verhältnis zwischen weiten Teilen der amerikanischen Kulturschaffenden und der Republikanischen Partei der USA wird auch auf die Zeiten dieses Ausschusses zurückgeführt.
Der genaue Tag der Anforderung ist nicht sicher belegt. Den 6. November 1945 nennen nur Radio-Kalender wie radio.about.com oder „Arcane Radio Trivia“, die Chronik „Chronomedia“ nennt den 11. Juni 1945, Howard Fast den Oktober 1945. Belegt ist der Protest der AFRA vom 16. November 1945 (Broadcasting, 3. Dezember 1945). Ob tatsächlich rund 75 Manuskripte angefordert wurden, lässt sich nicht bestätigen.
Quellen:
Broadcasting, 3. Dezember 1945, S. 19: worldradiohistory.com/Archive-All-BC/FMedia/Broadcasting-Magazine/BC-1945/1945-12-03-BC.pdf
Howard Fast: Treason in Congress: www.trussel.com/treason.htm
Wikipedia: McCarthy-Ära: de.wikipedia.org/wiki/McCarthy-Ära
Wikipedia (englisch): Broadcasting in Chennai: en.wikipedia.org/wiki/Broadcasting_in_Chennai
Élisabeth Cazenave: La naissance de la radiodiffusion à Bordeaux, Revue historique de Bordeaux 28 (1981): persee.fr/doc/rhbg_0242-6838_1981_num_28_1_2088
Gijsbert Hinnen: Internationale Rundfunk- und Fernseh-Chronik (nicht mehr online)
Wikipedia
Prasar Bharati
S. Fischer Verlag
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