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Der 6. November in der Geschichte des Radios:


Ab dem 6. November 1919 strahlte der niederländische Radio-Pionier Hans Henricus Schotanus à Steringa Idzerda eine regelmäßige Radiosendung aus und sendete an vier Tagen in der Woche, meist musikalische Abende, aus seinem Haus in Den Haag. Zuletzt fehlten ihm die finanziellen Mittel, um den Sender weiterzuführen.
Die Studio- und Radioausstattung wurde von seiner eigenen Firma, der Nederlandse Radio Industrie (NRI), hergestellt. Am 11. September 1924 stellte sein Sender PCGG den Betrieb ein.
Während des Zweiten Weltkrieges schloss sich Idzerda dem Widerstand an. Ende 1944 wurde er von den Deutschen erschossen.

Foto: PD

Edwin Howard Armstrong stellte am 6. November 1935 vor dem Institute of Radio Engineers in New York seine Arbeit „A Method of Reducing Disturbances in Radio Signaling by a System of Frequency Modulation“ vor. Diese Präsentation wurde durch Vorführungen von Sendungen der Amateurstation W2AG in Yonkers begleitet. Trotzdem wurde das FM-System von Kritikern bei Anhörungen vor der Fernmeldebehörde FCC als technisch nicht realisierbar eingestuft.


Ein großes Problem der damaligen Technik war die Anfälligkeit der verwendeten Amplitudenmodulation (AM) für atmosphärische Störungen auf dem Übertragungsweg. Armstrong erkannte, dass die Lösung dieses Problems in einem anderen Modulationsverfahren lag. Seine Überlegungen führten zur Entwicklung der Breitband-Frequenzmodulation (FM).
In Deutschland kennen wir AM als Mittelwelle (MW) und FM als Ultrakurzwelle (UKW).

Bei der FM wird die Frequenz einer Trägerwelle moduliert, um Informationen zu übertragen, nicht die Amplitude wie bei der AM.
Diese Technik erwies sich als wesentlich unempfindlicher gegen statische Störungen und bot eine deutlich bessere Klangqualität als AM-Radio.

Obwohl Armstrongs FM-Radio den Weg zu besserer Klangqualität und störungsfreiem Radioempfang ebnete, war der Weg zur Akzeptanz seiner Erfindung steinig.

David Sarnoff, der Präsident von RCA, sah in FM eine Bedrohung für das bestehende AM-Rundfunknetz und tat alles in seiner Macht Stehende, um Armstrongs Bemühungen zu behindern.

Trotz aller Widerstände gelang es Armstrong am 18. Juni 1938, von der Federal Communications Commission (FCC) eine Sendegenehmigung für einen FM-Versuchssender zu erhalten. 

Um die Rechte an der FM-Technik entbrannte ein langwieriger und kostspieliger Rechtsstreit. 
Diese Prozesse belasteten Armstrong finanziell und emotional. Er war pleite, deprimiert und ohne Hoffnung. Die Prozesse verhinderten zudem eine schnelle Verbreitung seiner Erfindungen und verzögerten den technischen Fortschritt. Armstrong nahm sich 1954 das Leben.

Trotz der Tragödie seines Lebens hinterließ Armstrong ein bleibendes Erbe. Seine Erfindung des UKW-Radios revolutionierte die Art und Weise, wie wir Radio hören, und seine Arbeit beeinflusste die Entwicklung anderer wichtiger Technologien wie Radar und Mobilfunk.




Am 6. November 1948 hatte in den USA der Kurzfilm „So You Want to Be on the Radio“ von Richard L. Bare Premiere. Joe McDoakes (George O’Hanlon) und seine Frau (Phyllis Coates) sind begeisterte Radiohörer und wollen unbedingt bei einer Sendung mitmachen, doch jedes Mal kommt etwas dazwischen.
Der Film war für einen Oscar als bester Kurzfilm nominiert und gehört zu einer Reihe von 63 Kurzfilmen, die in den Jahren 1942 bis 1956 für Warner Bros. entstanden und jeweils mit „So You …“ begannen, auch bekannt als „Behind the Eight Ball“-Serie.





Am 6. November 1956 sendete der ORF die erste Ausgabe der Wissenschaftsreihe „Salzburger Nachtstudio“. Den Inhalt der ersten Sendung bildete ein Vortrag von Robert Schuman.



Am 6. November 1969 kaufte der israelische Pilot, Friedensaktivist und Radiomoderator Abie Nathan sein Friedensschiff. Er verfolgte schon seit einiger Zeit den Plan, einen Radiosender aufzubauen. Bezahlt hat er das niederländische Schiff CITO zum Teil mit Spendengeldern und zum Teil durch den Verkauf seiner eigenen Habseligkeiten. Mit einer Gruppe niederländischer Seeleute fuhr er danach nach New York. Dort wollte er die noch fehlenden 170.000 US-Dollar sammeln, um das Schiff in eine schwimmende Sendestation umzurüsten. Laut Radio London hieß das Schiff damals noch „Rolf“. Drei Jahre lang lebte er an Bord in New York, doch die Spenden reichten nicht.
Es dauerte gut drei Jahre, dann gründete Nathan 1973 die Radiostation „Voice of Peace“ („Stimme des Friedens“). Am 19. Mai 1973 ging der Sender auf Sendung. Der Piratensender strahlte sein Programm in internationalen Gewässern des Mittelmeers von Bord des Schiffes aus. Mit einem ausgewogenen Musikprogramm warb der Sender 20 Jahre lang für Frieden und Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern. Finanziell unterstützt wurde er unter anderem von John Lennon. Nach der Unterzeichnung des Osloer Friedensabkommens hielt Nathan die Mission des Senders für erfüllt und stellte den Sendebetrieb am 1. Oktober 1993 ein. 1997 erhielt Abie Nathan den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis.

Foto: Pinn Hans (Israel National Photo Collection) [Public Domain], via Wikimedia Commons


Am 6. November 1989 beschlagnahmten United States Federal Marshals zusammen mit der Federal CommunicationsCommission (FCC) den Piratensender WJPL in Brooklyn. Der UKW-Sender von John Lightning war in den 1980er Jahren aktiv; die Rufzeichen WJPL standen für „John P. Lightning“.

(Den genauen Tag belegt nur ein Radio-Kalender; die Fachzeitschrift „Radio World“ vom 27. Dezember 1989 nennt für eine Razzia in Borough Park, Brooklyn, den 9. November 1989 und das Rufzeichen „WJPT“ auf 91,9 MHz.)


Am 6. November 1989 erhielt Hit Radio FFH als erstes Privatradio in Hessen eine Sendelizenz und ging am 15. November auf Sendung..

 

Am 6. November 2011 ging auf Radio Eins die letzte Ausgabe der von Stermann & Grissemann moderierten Comedysendung Show Royale über den Äther.

 

Am 6. November 2012 wurde in Russland bekannt, dass der Sender Radio Majak seine Sendungen auf Lang- und Mittelwelle zum Ende des Jahres einstellt. Lang- und Mittelwelle wurden tatsächlich erst am 14. März 2013 abgeschaltet. Die Ausstrahlung auf der Kurzwelle hatte bereits 1999 geendet.

 

Nekrolog:

Am 6. November 1951 starb der deutsche Ingenieur, Erfinder und Unternehmer Max Braun in Frankfurt am Main. Er gründete 1921 in Frankfurt-Bockenheim die Keimzelle des späteren Elektrogeräteherstellers Braun. Mehr dazu ist im Blogeintrag vom 25. Oktober nachzulesen.

Am 6. November 1965 starb der US-amerikanisch-französische Komponist und Dirigent Edgar Varèse im Alter von 81 Jahren in New York an einer Thrombose.
In den 1950er Jahren begann eine verstärkte Rezeption seines Werkes unter den jungen, europäischen Komponisten; seine Werke wurden wieder vermehrt aufgeführt. Er begann mit der Komposition von Déserts, die das damals neuartige Magnettonband als Klangquelle einsetzt. Bei der Uraufführung 1954 in Paris, die live auch im Rundfunk stereophon ausgestrahlt wurde, kam es zu einem großen Eklat. Dennoch folgten rasch und mit Erfolg weitere Aufführungen in Europa und nach seiner Rückkehr 1955 auch in den USA. Zu den Musikern, die besondere Bewunderung für Varèse bekundet haben, zählen Wolfgang Rihm, John Palmer und Frank Zappa.

Am 6. November 2018 starb Christa Vetter (* 1932) 86-jährig in Berlin-Pankow. Sie arbeitete als Hörspieldramaturgin beim Rundfunk der DDR und war von 1977 bis 1990 Leiterin der Hörspielabteilung.


Am 6. November 2021 starb der deutsche Autor, Schauspieler, Synchronsprecher, Hörspiel- und Theaterregisseur Walter Niklaus.

 

Am 6. November 2022 starb der Sportjournalist Herbert Fischer-Solms im Alter von 75 Jahren in Solms. Von 1973 bis Ende 2011 arbeitete er beim Deutschlandfunk in Köln. Sein Schwerpunkt war die Sportpolitik und besonders die Berichterstattung über Doping. Dafür erhielt er 2012 die Heidi-Krieger-Medaille. Den Beinamen „Solms“ nach seinem Wohnort legte er sich zu, um nicht mit seinem Kollegen Peter C. Fischer verwechselt zu werden.


Quellen:

Gijsbert Hinnen: Internationale Rundfunk- und Fernseh-Chronik (nicht mehr online)

Radio.about.com (nicht mehr online)

Wikipedia: Hanso Schotanus à Steringa Idzerda: de.wikipedia.org/wiki/Hanso_Schotanus_à_Steringa_Idzerda

Wikipedia: Rundfunkjahr 1919: de.wikipedia.org/wiki

Edwin H. Armstrong: A Method of Reducing Disturbances in Radio Signaling by a System of Frequency Modulation, Proceedings of the IRE, Mai 1936: bh.hallikainen.org/uploads

Wikipedia: Edwin Howard Armstrong: de.wikipedia.org/wiki/Edwin_Howard_Armstrong

Howard Fast: Treason in Congress: www.trussel.com/treason.htm

Wikipedia: McCarthy-Ära: de.wikipedia.org/wiki/McCarthy-Ära

Wikipedia: So You Want to Be on the Radio: de.wikipedia.org/wiki/So_You_Want_to_Be_on_the_Radio

Wikipedia: Salzburger Nachtstudio: de.wikipedia.org/wiki/Salzburger_Nachtstudio

Wikipedia: Rundfunkjahr 1956: de.wikipedia.org/wiki

abie-nathan.com, Biografie (Archivkopie): web.archive.org/web/http:/www.abie-nathan.com/pages-eng/biography.html

Wikipedia: Voice of Peace (englisch): en.wikipedia.org/wiki/Voice_of_Peace

HFUnderground: WJPL: www.hfunderground.com/wiki/index.php/WJPL

Wikipedia: Rundfunkjahr 1989: de.wikipedia.org/wiki

Wikipedia: Rundfunkjahr 2011: de.wikipedia.org/wiki

Wikipedia: Rundfunkjahr 2012: de.wikipedia.org/wiki

Wikipedia: Max Braun (Ingenieur): de.wikipedia.org/wiki/Max_Braun_(Ingenieur)

Wikipedia: Edgar Varèse: de.wikipedia.org/wiki/Edgar_Varèse

Wikipedia: Rundfunkjahr 2018: de.wikipedia.org/wiki

Wikipedia: Walter Niklaus: de.wikipedia.org/wiki/Walter_Niklaus

Wikipedia: Herbert Fischer-Solms: de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Fischer-Solms

 

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