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Der 14. Oktober in der Geschichte des Radios:


Am 14. Oktober 1922 soll auf den Anhöhen von Lausanne die erste Radiosendung der Schweiz entstanden sein – zumindest nach einer Version der Geschichte. Der Flugfunker Roland Pièce, Verantwortlicher der Flugfunkstation „Champ-de-l'Air“ am Flugplatz La Blécherette, spielte demnach zusammen mit Paul Louis Mercanton Musikaufnahmen ab, um die Passagiere eines aus Paris ankommenden Flugs zu unterhalten.

Andere Quellen erzählen für denselben Tag eine ganz andere Geschichte: Pièce habe eine Sängerin und befreundete Musiker engagiert, die live die Marseillaise und die Schweizer Hymne spielten – übertragen zu Gästen eines Banketts im Hotel Beau-Rivage, darunter der französische Botschafter. Diese Version datiert das Ereignis mal auf den 14., mal auf den 26. Oktober.

Das Schweizerische Nationalmuseum ordnet beide Erzählungen wiederum anders ein: Die Versuche mit Musikaufnahmen fanden demnach schon im September 1922 statt, während die „offizielle Einweihung“ mit Live-Gesang auf den 26. Oktober fällt – exakt das Datum, das andernorts als Verwechslung bezeichnet wird.

Der entscheidende Haken: Die gesamte Geschichte, in allen drei Versionen, stammt allein aus Pièces eigenen Erinnerungen, veröffentlicht erst 1972 – fünfzig Jahre nach den Ereignissen. Ein zeitgenössischer Zeitungsbericht existiert nicht; der erste dokumentierte Beleg zur Station erschien erst am 30. April 1923.

Unbestritten ist nur: Lausanne war der Ausgangspunkt des Schweizer Radios. Von dort aus folgten Utilitas (Februar 1923) und die Société romande de radiodiffusion (Juli 1923), bevor sich Zürich, Genf, Bern, Basel und Lugano anschlossen.


Am 14. Oktober 1923 erschien die erste deutsche Programmzeitschrift „Der Deutsche Rundfunk“.


Foto: Macfadden Publications
(pages 54, 55 Radio Mirror)
[Public Domain], via
Wikimedia Commons
Am 14. Oktober 1934 feierte das „Lux Radio Theatre“ seine Premiere auf dem NBC Blue Network (1934–1935). Später strahlten CBS Radio (1935-54), und  NBC Radio (1954–55) die Show aus. 

Es handelte sich um eine Radioserie ohne fortlaufende Handlung mit einzelnen Episoden, die wie eine Anthologie angeordnet waren. In den USA spricht man deshalb auch von einer anthology series.

In den ersten beiden Staffeln sendete das „Lux Radio Theatre“ bekannte Broadway-Stücke, später kamen Radio-Adaptionen bekannter Kinofilme hinzu. Das war sinnvoll, denn damals gab es ja kein Fernsehen und keine Möglichkeit privater Videoaufzeichnungen. 
Filme, die nicht mehr im Kino gezeigt wurden, waren weg und unerreichbar. Das Radio brachte sie wieder zurück und erzeugte Bilder in den Köpfen der Hörer. Dabei gab es sogar einige Zuschauer, denn die Stücke wurden in einem Theater live vor einem Publikum gezeigt und gesendet. 

Über 20 Jahre lang war „Lux Radio Theatre“ die beliebteste Dramaserie im Radio. Mitte der 50er Jahre kam sie als „Lux Video Theatre“ ins Fernsehen. Hier ein Video dazu:



Viele der alten Folgen können wir heute auf YouTube nachhören. Hier ein Beispiel:



Am 14. Oktober 1945 war auf Rot-Weiß-Rot Salzburg, dem Sender der amerikanischen Besatzungsmacht in Österreich, die erste Ausgabe der Lyrik- und Musiksendung Du holde Kunst zu hören. Sprecher der ersten Sendung waren Martha Marbo und Helmut Janatsch. Der Titel geht auf den Anfangsvers von Franz von Schobers Gedicht „An die Musik“ zurück, vertont von Franz Schubert.

Ziel der Sendung war es, dem vom Krieg und den Nachkriegswirren gezeichneten Publikum die „schönsten und edelsten Schöpfungen“ von Literatur und Musik nahezubringen – eine Art Flucht aus dem harten Alltag, aber auch Ausdruck der Sehnsucht nach einer „lichteren und schöneren Welt“.

Mit dem Ende der alliierten Besatzung ging die Sendung 1955 in den Bestand des österreichischen Rundfunks über. Als dieser 1967 in die bis heute bekannten Programme Ö1 und Ö3 aufgeteilt wurde, wanderte „Du holde Kunst“ zu Ö1, wo sie bis heute läuft: jeden Sonntag um 8.15 Uhr, mit Wiederholung am Folgetag um 0.05 Uhr. Damit ist sie die älteste noch regelmäßig ausgestrahlte Hörfunksendung Österreichs.


Am 14. Oktober 1945 begann „Radio Koblenz“ im französischen Besatzungsgebiet mit seinen Sendungen. Der Sender gilt als Urzelle des Südwestrundfunks in Rheinland-Pfalz. 
Mit den Worten „Achtung, Achtung, Radio Koblenz nimmt heute seine Sendungen auf!“ begann 1945 die Ausstrahlung. Seitdem informiert das Studio die Menschen in der Region: aktuell, fundiert, hintergründig. Ein hölzerner Sendemast, der den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte, machte es möglich. Heute beherbergt das Gebäude am Friedrich-Ebert-Ring 31 ein multimediales Studio. Mehr dazu in einem eigenen Blogeintrag.

Am Abend des 14. Oktober 1973 begann „Hilversum 3“ mit der Ausstrahlung des Nachtprogrammes und war von da an rund um die Uhr zu hören.

Am 14. Oktober 1991 startete „Radio Melodie“ in Straubing den Sendebetrieb.
Der Sender war zuletzt im ZDF-Haus in Unterföhring am Stadtrand von München angesiedelt.
Mit seiner Musikauswahl setzte Radio Melodie ausnahmslos auf deutschsprachige Titel. Hier waren primär populäre Schlager und volkstümliche Melodien zu hören. Das Programm von Radio Melodie richtete sich hauptsächlich an ein älteres Zielpublikum. Am 31. März 2008 wurde das Programm eingestellt.

Die freigewordenen UKW‑Frequenzen wurden an die Anbieter eines Jugendsenders vergeben. Am 21. November 2008 startete egoFM.


Am 14. Oktober 2005 wurde weltweit der erste von der BBC ausgerufene John-Peel-Tag begangen.

 

Geburtstag:

 

Am 14. Oktober 1929 wurde der deutsche Schauspieler und Synchronsprecher Norbert Gastell  (deutsche Stimme von Homer Simpson) in Buenos Aires geboren.


Cliff Richard 1962
Am 14. Oktober 1940 wurde der britische Popsänger Cliff Richard geboren.  1959 hatte er mit »Living Doll« und »Travellin’ Light« seine ersten beiden Nr. 1-Hits in Großbritannien. In Deutschland konnte Richard insgesamt drei Nummer-1-Hits verbuchen: Die deutsche Version von „Lucky Lips“ – „Rote Lippen soll man küssen“ war ab 7. Dezember 1963 für sieben Wochen auf eins; „Das ist die Frage aller Fragen“ (Original: „Spanish Harlem“), ab 30. Januar 1965 für vier Wochen und schließlich „We Don’t Talk Anymore“ ab 15. Oktober 1979 für fünf Wochen (Großbritannien Platz eins und USA Platz sieben).
Zu seinen größten Hits gehören unter anderem „Dreamin’“, „Some People“, „My Pretty One“, „Miss You Nights“, „Mistletoe“ und „Mistletoe and Wine“ (britischer Weihnachts-Nummer-eins-Hit 1988) und viele andere mehr.

Foto: „Cliff Richard 913– 7393“ van Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 – negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 913-7393 - Nationaal Archief. Gelicenseerd onder CC BY-SA 3.0 nl über Wikimedia Commons.

Nekrolog:

 

Am 14. Oktober 1964 ist der deutsche Komponist, Dirigent und Theaterintendant, sowie Sendeleiter des NORAG-Nebensenders Hannover Horst Platen 80-jährig in Feldafing gestorben. Er komponierte u. a. die Musik zu zahlreichen Hörspielen.


Bing Crosby
Am 14. Oktober 1977 ist der US-amerikanische Schauspieler und Entertainer Bing Crosby gestorben. 1931 debütierte er mit seiner Radiosendung „15 Minutes with Bing Crosby“ auf CBS. Damals war es noch nicht der Film, sondern das Radio, das Bing Crosby bekannt machte: Seine Rundfunksendungen aus dem Coconut Grove in Los Angeles sind Geschichte. Seine Stimme drang nun aus jedem Radio, er nahm Hunderte Songs auf und hatte bald eine ganze Reihe von Filmauftritten.
Ende der 30er Jahre traten in Del Mar, Kalifornien, zwei Komiker zusammen vor das Mikrofon und zogen eine Show ab, die nicht nur das Publikum zum Lachen brachte, sondern auch die Aufmerksamkeit der Talentsucher Hollywoods erregte. Bing Crosby und Bob Hope wurden neu entdeckt.
Sein Lied „White Christmas“ ist die meistverkaufte Schallplatte aller Zeiten. Er war einer der populärsten Unterhaltungskünstler des 20. Jahrhunderts, hat in über 50 Filmen mitgewirkt und über 300 Millionen Schallplatten verkauft.
Mehr über Bing Crosby im Radio ist im Bingmagazine nachzulesen.

Foto: Allan Warren [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Am 14. Oktober 1977 ist der österreichische Orchesterleiter, Komponist, Jazzpianist und Unterhaltungsmusiker Ludwig Babinski gestorben. Er trat zwischen 1943 und 1945 als Dirigent, Arrangeur und Musiker (Klavier, Saxofon) beim Tanzorchester des Deutschen Europa Senders hervor. Nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus war er beim Radio-Tanzorchester bzw. Unterhaltungsorchester von Radio Wien tätig. Mit Ernst Jandl startete er mithilfe der sowjetischen Besatzungsmacht die Konzertreihe „Hallo! Swing, Swing“.

 

Am 14. Oktober 1981 ist die deutsche Schauspielerin Elsa Scholten 79-jährig in Köln gestorben.

 

Am 14. Oktober 1990 ist Leonard Bernstein gestorben.

 

Am 14. Oktober 2003 ist der deutsche Moderator, und Fernsehunterhalter Heinz Quermann 82-jährig in Berlin gestorben.


Quellen:

gillesmarchand.ch,

swissinfo.ch

blog.nationalmuseum.ch

Flugplatzsender Lausanne (Wikipedia)

Gijsbert Hinnen: Internationale Rundfunk- und Fernseh-Chronik (nicht mehr online)

Radio.about.com (nicht mehr online)

SWR

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